Negativzinsen – 5 Fragen an Hendrik Stoltenberg

Hendrik Stoltenberg baut seine Expertise auf mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Kapitalanlage, Finanzplanung und Versicherung bei internationalen Banken auf. Bei TGI Finanzpartner ist er Ihr persönlicher Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Vermögensverwaltung.

Hendrik Stoltenberg Experte für Geldanlage bei TGI FinanzpartnerHerr Stoltenberg, erklären Sie uns bitte: was sind Negativzinsen?

Die meisten unter uns kennen noch Termingelder. Das sind Gelder, die Monat für Monat und von Jahr zu Jahr verzinst worden sind. Einige Banken haben sogar das Guthaben auf dem Girokonto positiv verzinst. Seit der Finanzkrise in 2008/2009 sind die Zinsen massiv gefallen, maßgeblich bestimmt durch die Europäische Zentralbank. Schon seit geraumer Zeit müssen die Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank Zinsen zahlen. Schon im letzten Jahr begannen die ersten Geschäftsbanken diese Zinsen, die für die Banken immense Kosten darstellen, an ihre Endkunden weiterzugeben. Viele Banken nennen diese Strafzinsen oder Negativzinsen lieber Verwahrentgelt, da rechtlich noch nicht eindeutig geklärt ist, ob eine negative Verzinsung mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken vereinbar ist. Die Politik und die europäische Zentralbank möchten erreichen, dass das Geld nicht gehortet, sondern durch Investitionen und Konsum wieder in den Geldkreislauf eingebracht wird.

Welche Anlageformen sind von Negativzinsen betroffen?

In der Regel sind alle Formen der Geldanlage auf Konten von Negativzinsen betroffen. Dazu gehören das Girokonto, Tagesgelder, Termingelder und Sparkonten. Bei einigen Banken werden ab dem ersten gesparten Euro, bei den meisten aber erst ab hohen Summen von 50000 oder 100000 Euro Strafzinsen verlangt – aktuell ungefähr in Höhe von -0,5 Prozent. Privatkunden und Kundinnen können im Internet recherchieren, welche Banken den negativen Zins erst ab höheren Anlagesummen berechnen. Meist hat man als Privatperson diese Summen nicht unbedingt auf seinem laufenden Konto. Für Unternehmen wird es allerdings schwieriger, da meist eine Liquiditätsreserve auf dem Konto verbleiben muss, um bei Auftragseinbrüchen die Gehälter der Angestellten weiter zahlen zu können. Für die Unternehmen bedeutet dies neben den in der Regel höheren Kontoführungsgebühren nun einen weiteren Kostenpunkt.

Welche Rolle spielt die seit einem Jahr andauernde Covid-19-Pandemie dabei?

Die Covid-19-Pandemie hat dazu geführt, dass sich der Geldkreislauf sehr deutlich verlangsamt hat. Viele Ausgaben konnten schlicht nicht getätigt werden, z.B. Reisen oder Restaurantbesuche. Dadurch hat sich auf den Konten der Banken ein sehr hohes Guthaben gebildet. Die durch die Negativverzinsung von Einlagen bei der EZB entstandenen hohen Gebühren sind für die Geschäftsbanken ein nicht mehr allein zu tragender Kostenpunkt. Somit sind die Banken in Deutschland mehr oder weniger dazu gezwungen, ihre Kunden und Kundinnen an diesen Kosten zu beteiligen. Mittlerweile haben schon über 300 Banken die Negativverzinsung eingeführt.

Einige Privatbanken bieten noch vergleichbare Geldanlagen mit Positivzinsen an. Gelten Anlageformen, die Positivzinsen versprechen, Ihrer Meinung nach als spekulativ und riskant?

Bei Angeboten von Tagesgeldern mit positiven Zinsen sollte sich der Privatanleger genau anschauen, ob die Bank eine Einlagensicherung hat. In der Regel sind Gelder von Privatanlegern bis 100000 Euro über das deutsche Einlagensicherungssystem abgesichert. Dies gilt allerdings nur bei Einlagen von Banken mit einem Geschäftssitz in Deutschland.

Ob diese Einlagensicherung auch bei dem Fall eines der großen Institute halten kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Ein aktuelles Beispiel ist der Fall der Greensill Bank. Die Bremer Privatbank hatte noch (minimale) positive Zinsen auf Einlagen versprochen, Anfang März aber nun Insolvenz angemeldet. Hier sind auch massiv Gelder von privaten Anlagen betroffen. Aufsehen hat dieser Fall aber besonders erregt, weil viele Kommunen und Städte ihre Gelder dort angelegt haben. Gelder von Institutionen sind seit der Finanzkrise nicht mehr über das Einlagensicherungssystem abgesichert. Es sollte wirklich jeder genau überlegen, ob der angebliche Mehrzins von sehr oft nur 0,1 oder 0,2 Prozent den Aufwand und das Risiko wert ist.

Was empfehlen Sie Privatpersonen, die Geld anlegen wollen?

Meines Erachtens nach sollten sich Privatanleger Innen verstärkt mit anderen Anlageformen auseinandersetzen. Wer sein Geld zur Unterstützung der Altersvorsorge oder für ein bestimmtes Ziel sparen möchte, der wird an einer Anlage in Immobilien und Aktien nicht vorbeikommen.

So kann man sich z.B. über die Anlage in Investmentfonds an ganzen Aktienpaketen einzelner Branchen beteiligen. Auch kann man sich kostengünstig über sogenannte ETFs (auch: Indexfonds) an den Aktienmärkten einzelner Länder oder der ganzen Welt beteiligen. Mittlerweile können wir sogar aktiv gemanagte Vermögensverwaltungen – sowohl in klassischen Investmentfonds mit Sicherheitsschwelle oder auch für den langfristigen Anleger in ETFs – ab einer Summe von 10000 € anbieten. Der Vorteil einer Wertpapieranlage ist, dass es keine festen Laufzeiten gibt, Teile oder auch das ganze Portfolio können jederzeit wieder aufgelöst werden. Natürlich sollte aber aufgrund der Schwankungen innerhalb eines Aktienportfolios ein längerfristiger Anlagehorizont vorhanden sein.

Wem die Zeit oder auch die Lust fehlt, sich alleine mit diesen Anlageformen auseinanderzusetzen, dem stehen wir bei TGI Finanzpartner selbstverständlich gerne zur Seite. Mehr Informationen zu unseren Angeboten im Rahmen der Vermögensverwaltung finden Sie auf unserer Webseite.

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